Page 20 - BB Innsbruck Stadt und Land 2020
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20 BAUEN & WOHNEN
ARCHITEKT:
VON ANFANG AN GUT BERATEN
VOR DER PLANUNG DAS WOHNVER- HALTEN ERUIEREN
Man kann sich vor dem Hausbau vie- le Häuser ansehen, und irgendwann ist wahrscheinlich eines dabei, bei dem man sagt: „So soll es sein!“ Wichtiger als der optische Eindruck ist es jedoch, das Haus oder die Wohnung nach dem eigenen Wohnverhalten zu planen. „Damit man sich wohlfühlen kann, ist es wichtig, in der eigenen „Haut“ zu wohnen, und die- se „Haut“ soll sich den verschiedenen Lebensphasen anpassen können“, sagt Architekt Thomas Adamer.
Wie sieht ein herkömmlicher Wochentag aus? Legt man Wert auf ein gemeinsa- mes Abendessen? Wird gerne gekocht? Bevorzugt man, das Abendessen vor dem Fernseher einzunehmen? Ist die große Couch im Wohnzimmer wichtig oder ein großer Esstisch, an dem man sich trifft und diskutiert?
KEIN WOHNRAUMKONZEPT, SONDERN EIN NUTZUNGSPLAN
Einen guten Architekten erkennen Sie daran, dass er vor der Planung auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingeht. Und er muss auch in der Lage sein, die kom- menden Lebensphasen in den Plan mit einzubeziehen, denn irgendwann werden die Kinder älter und ziehen aus, und noch später braucht es vielleicht eine Woh- nung, die verkleinert und getrennt wer- den kann, weil ein Partner verstorben ist und ein Teil vermietet werden soll, um Kosten einzusparen. Ein richtig gu- tes Haus passt sich der Lebensphase an. Bei einem Hausbau macht es daher Sinn, im Erdgeschoss eine kleine Einlieger- wohnung so zu planen, dass sie anfangs vielleicht zum Wohnkonzept der ganzen Familie gehört, später jedoch abgetrennt und als Wohnung für ein Kind oder als Seniorenwohnung genutzt werden kann.
DENKEN, DISKUTIEREN UND DANN PLANEN
Einen Nutzungsplan sollten Partner an- fangs getrennt für sich erstellen. Zusam- men mit dem Architekten kann man dann
die Bedürfnisse zusammenführen – was unter Umständen nicht immer ganz ein- fach ist. Manchmal ist es notwendig, die Nutzungen der Bewohner zu ent echten bzw. wenn Dinge gleichzeitig statt nden bei der Planung darauf zu achten, dass man sich nicht gegenseitig stört. Das spricht zwar gegen ein mehrgeschos- siges offenes Wohnraumkonzept, doch letztendlich wird man damit mehr Frei- heiten haben.
SERVICEKOSTEN BEDENKEN
Die Automatisierung und Technisierung ist ein weiteres Thema, worüber man be- reits bei der Planung reden sollte. Denn das Einbauen der verschiedenen Tech- nikmöglichkeiten ist eine Sache, die an-
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dere ist deren Wartung, die regelmäßig Servicekosten verschlingt. Der Hausbau wird nur dann teuer, wenn man nicht bis zu Ende denkt. Ein guter Planer sollte daher die Bauherren über die gesamte Phase begleiten, aber nicht unbedingt die Bauaufsicht haben. Das mag zwar anfangs etwas mehr kosten, doch letzt- lich lohnt es sich, wenn das eigene Haus professionell von der Entstehung über alle Lebensphasen der Bewohner hin- weg als Ganzes geplant und ausgeführt wird. Als Voraussetzung braucht es eine gewisse Offenheit dem Planer gegenüber, und zum Schluss sollte man als Freunde zusammen Essen gehen können. •
Wie die Räume ohne den Menschen
aussehen, ist unwichtig, wichtig ist nur,
wie die Menschen darin aussehen.
Bruno Taut, deutscher Architekt und Stadtplaner, 1880–1938 | Quelle: Wikipedia
















































































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